Finnland – Die Essenz der Stille…

Von 15. Bis 24. Februar hat es Lissi und mich in den hohen Norden, an den Polarkreis Finnlands verschlagen.

Warum es uns gerade in diesen Kühlschrank Europas verschlagen hat? Finnland im Winter stand seit sehr langer Zeit auf meiner „Bucket-List“. Ich wollte die winterliche raue Einsamkeit live erfahren, die Stille und Dunkelheit erleben und die Kälte am eigenen Körper spüren. Ich liebe Herausforderungen einfach, zudem lockte mich der Polarkreis mit seiner Fülle an Polarlichtern. Jeder, der mich kennt, weiß, wie sehr ich der Aurora Borealis verfallen bin.

Ich gebe zu: Finnland im Februar zählt nicht zu den touristischen Hotspots, das merkt man schon, wenn man sich ans Flugbuchen macht. Die Dichte an Flügen ist wirklich sehr überschaubar, um es schonend auszudrücken. Die Zuverlässigkeit der Airlines im Übrigen auch.

Aber nirgendwo anders ist das Licht magischer, als in den Wintermonaten im Hohen Norden.

Unsere Finnland-Reise stand von Beginn an für mich unter keinem guten Stern. Nachdem alle Flüge Verspätungen hatten, oder einfach gestrichen wurden, kamen wir müde endlich an unserem Ziel an.

Finnland im Winter. Warum?

Die einzigartige Winterlandschaft, die Stille und die unendlichen Weiten dieses Landes haben mich fasziniert. Dieses Land mit seinem einzigartigen Licht im Winter zu erleben stand schon lange für mich auf meiner fotografischen Bucket-List. Ich wollte unbedingt die eingefrorenen Bäume in kunstvollen Landschaftsbildern verewigen. Das Leben in Finnland ist für uns Mitteleuropäer wirklich gewöhnungsbedürftig. Vor allem körperlich stellt einen die Witterung wirklich auf den Prüfstand.

So haben Lissi und ich uns am Polarkreis aufgemacht, um die Weiten Finnlands, seine Schlittenhunde und die magischen Nordlichter vor die Kamera zu holen. Trotz bester Ausrüstung haben wir das raue Klima aber fast unterschätzt: Minus 30 Grad sind in diesen Breitengraden fast normal. Was das für mich als Fotograf bedeutet hat, ist leicht vorzustellen. Man musste aufpassen, dass das Equipment nicht einfror. Vor allem musste man aber seinen Körper vor dieser extremen Kälte schützen. Es war ein ständiges in-Bewegung-bleiben. Ständig durch diesen hohen Schnee zu stapfen, begleitet von den extrem tiefen Temperaturen ist wahnsinnig kräftezehrend. Noch dazu fällt einem das Einatmen der eiskalten Luft unheimlich schwer, tiefe Atemzüge soll man auch wirklich vermeiden. Durch die angepasste Kleidung schwitzt man im Auto, während man bereits nach kurzer Zeit draußen unheimlich friert. Nämlich so, dass man sich fast nicht mehr aufwärmt.

Finnland

Stille Landschaft in magischem Licht

Die Landschaft Finnlands ist unheimlich weit und von imposanten Wäldern durchzogen. Fast unseren Landstrichen ähnlich, nur ohne irgendwelche Erhebungen oder Berge. Eine Ebene in Weiß, nur der Schnee glitzert in der Sonne.

Die Sami (Bewohner Finnlands) sind durchwegs offen und freundlich und leben ein sehr reduziertes und einfaches Leben. Landschaftlich ist Finnland nicht so vielseitig, wie ich es von Island kenne und die Lichtbedingungen sind für einen Fotografen wirklich schwierig, dafür aber unbezahlbar.

Aurora Borealis

Hier über dem 66. Breitengrad treten Nordlichter am häufigsten auf. Darauf baute ich auch meine Hoffnung auf, dieses besondere Lichterspektakel fotografieren zu können. Die Wahrscheinlichkeit einen Blick auf das Lichterspiel des Himmels zu erhaschen ist im finnischen Lappland sehr hoch.

Hier befindet man sich über dem Polarkreis, wo diese Himmelserscheinungen am Häufigsten zu sehen sind. Lappland ist zudem eine sehr dankbare Destination, weil man nicht den wechselhaften wettertechnischen Inselbedingungen ausgesetzt ist wie zum Beispiel auf Island, oder auf den Lofoten in Norwegen.  Dadurch kann man hier in Lappland mit etwas Glück auch einmal 2 Tage lange einen wolkenlosen Himmel genießen.

Mein „Nordlicht Rezept“: Erfahrung, Geduld, ein klarer Himmel, Dunkelheit, Nordlicht-Aktivität und GLÜCK. Wenn man all diese Zutaten beisammen hat, kann man die talentierteste Tänzerin der Welt bewundern: Lady Aurora Borealis.

Unser Hoffen wurde Realität: Ganze drei Mal durften wir die Aurora Borealis bei sterneklarem und wolkenlosem Himmel bestaunen und fotografieren. Wir waren zwei Mal bei Minus 20 Grad ganze drei Stunden unterwegs, um für eineinhalb bis zwei Stunden bauchtief im Schnee stehend unglaublich schöne Bilder von diesem Nordlicht-Spektakel zu machen. Was das körperlich bedeutet hat, könnt ihr euch mittlerweile wahrscheinlich vorstellen. Selbst der mitgebrachte Tee verwandelt sich bereits nach 3 Minuten in Kräuter-Eiswürfel.

Unvergessliches Husky-Abenteuer

Da ich dann leider krank wurde, startete Lissi alleine zur Husky-Overnight-Safari. Pekka, der Hundeschlittenführer und 6 Hunde haben sie durch die Wälder Finnlands geführt. Ein unvergleichliches Erlebnis für meine liebenswerte Assistentin, welches uns das Team von Lapland-Safaris möglich machte.

Übernachtet haben die sechs Hunde und zwei Menschen in einer Hütte ohne Strom, mit Gas- und Feuerofen, während draußen ein eisiger Sturm über die Ebene fegte.

Insgesamt 50 Kilometer wurden an diesen zwei Tagen mit den Hunden zurückgelegt. Der Sturm der Nacht hatte dafür für den nächsten Tag Kaiserwetter im Gepäck, mit Sonnenschein und glitzernden Waldlandschaften.

Zwar waren die Trails durch den Sturm verweht, aber die Hunde, mit ihrem ausgeprägtem Instinkt und unter der erfahrenen Anleitung des Schlittenführers, haben Pekka und Lissi wieder sicher nach Hause gebracht.

Pekka ist mit Leidenschaft Hundeführer, auf seiner Farm wohnen 50 Huskys – für finnische Verhältnisse eine eher kleine Hundefarm. Seine Hunde sind reinrassige und reinblütige Huskys. Stark, elegant und mit einem untrügerischem Instinkt ausgestattet.

Pekka war ein Baum von einem Sami (so heißen die Bewohner Lapplands, früher nannte man sie auch Lappen): Ein Hühne, freundlich und offen. Hilfsbereitschaft wird hier in Lappland ohnehin groß geschrieben. Nirgends wird man mit einer Frage oder einem Problem alleine stehen gelassen.

Meine Tipps für alle, die nach Finnland ausziehen, um Abenteuer zu erleben:

  • Es gibt viele hilfreiche Websites wie Visit-Finland, Nordic-Visitor-Lapland oder Lapland-Safaris. Diese liefern euch zahlreiche Tipps für beliebte Orte und wie ihr dort eure Zeit verbringen könnt. Von einem Besuch beim Weihnachtsmann in Rovaniemi, über das Füttern von echten Rentieren bis hin zu einer Nordlicht-Jagd mit dem Schneemobil: den Abenteuern sind keine Grenzen gesetzt.
  • Behaltet die Tankuhr in euren Autos immer gut im Auge. Die Distanzen sind groß und Tankstellen rar gesät. Bei Minus 30 Grad ist eine Autopanne eine kleine Katastrophe.
  • Schütze deinen Körper gut vor der Kälte. Besonders die exponierten Stellen wie Nasenspitze oder Ohr können hier schnell Erfrierungen davontragen.
  • Ausrüstung und Bekleidung muss wirklich sorgfältig ausgewählt werden.
  • Teile dir deine Kräfte bei Outdoor-Spaziergängen gut ein. Man unterschätzt leicht, wie kräftezehrend die niedrigen Temperaturen und der lockere Schnee sind. Hier sinkst du gleich bauchtief ein, selbst Schneeschuhe helfen hier nicht.

 

Entstanden ist hier im Norden eine wunderschöne Fotoserie. Unglaubliche Bilder der Aurora Borealis entschädigen uns für jegliche Anstrengung und waren diese Reise mehr als wert. Finnland – der bezaubernde Kühlschrank Nord-Europas.

Impressionen von der Husky-Safari in Form eines kurzen Videos:

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